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Salzspiegel 1/2001
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"Wir brauchen einen langen Atem"
Interview mit Salinas-Treuhänder Thomas Hauswaldt
anlässlich des fünfjährigen Firmenjubiläums
Salinas ist vor fünf Jahren angetreten, um der Atomindustrie die
Suppe zu versalzen. Ist das gelungen.
Thomas Hauswaldt:
Ja, wir haben schon das Gefühl, dass wir der anderen Seite das
Geschäft gründlich versalzen haben. Das war übrigens
nicht das Ziel, aber ein Nebeneffekt, den wir billigend in Kauf nehmen,
um unsere Unternehmensidee zu verwirklichen. Motto: Besser Salz fördern
als Atommüll lagern. Wir wollen zeigen, dass man mit dem Salzstock
noch etwas anderes machen kann, als die Umwelt zu verstrahlen. Unsere
Geschäftsidee wird inzwischen von über tausend Gesellschaftern
unterstützt, von vielen Einzelkämpfern, Firmen und Verbänden
aus aller Welt. Das beweist, dass wir auch Abnehmer für unser Produkt
haben. Unsere Nachbarn sehen uns anscheinend ebenfalls als bedrohliche
Konkurrenten an. Seit Gründung von Salinas versuchen sie mit allen
nur möglichen politischen und juristischen Tricks, die Salzförderung
zu blockieren. Das ging damit los, dass unser Antrag auf eine Pachtgenehmigung
für die Salzrechte dreieinhalb Jahre auf Eis lag, bis wir mit unserer
Klage vor Gericht Recht bekommen haben. Aber das Bundesamt für
Strahlenschutz (BfS) hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Wohlgemerkt,
obwohl inzwischen ein Grüner an der Spitze dieses Bundesamtes steht.
Die Sache schmort schon wieder ein Jahr vor sich hin, ohne dass etwas
passiert.
Wie lange müssen die Salinas-Unterstützer denn noch auf die
erste Salzbohrung warten?
Thomas Hauswaldt:
Schwer zu sagen. Ohne eine wirksame Genehmigung des Pachtvertrages
gibt es keine Bohrgenehmigung. Vorsichtshalber hat Salinas ja noch auf
einem zweiten Grundstück direkt im Auftrag von Graf Bernstorff
einen Bohrantrag gestellt. Dort hatten die Behörden keine andere
Wahl: Sie mussten unseren Rahmenbetriebsplan genehmigen. Leider haben
sie die Genehmigung mit einer für uns unerfüllbaren Auflage
verbunden. Salinas soll nämlich durch ein Gutachten nachweisen,
dass es durch die Salzförderung weder das Erkundungsbergwerk noch
die spätere Nutzung des Salzstocks als Atommüll-endlager gefährdet.
Das ist natürlich nicht möglich, also haben wir Widerspruch
eingelegt, genauso wie übrigens das BfS. Auch in dieser Sache ist
seit drei Jahren nichts passiert. Es gibt auf unserem Weg also viele
Widerstände und Stolpersteine. Aber wir werden sie alle Punkt für
Punkt beklagen.
Frage: Nun gibt es ja im Atomgesetz eine neue Klausel, die sogenannte
Veränderungssperre, durch die Salinas verboten werden soll. Lässt
sich dagegen überhaupt etwas unternehmen?
Thomas Hauswaldt:
Da kann man mal sehen, wie ernst wir von der Gegenseite genommen werden.
Die Lex Salinas wurde noch zu Amtszeiten von CDU-Umweltministerin Merkel
extra für den Fall Salinas konstruiert und ins Atomgesetz gehievt.
Die neue Regierung hat die Atomgesetzänderungen zwar teilweise
wieder rückgängig gemacht, nicht aber die Lex Salinas. Das
spricht nicht gerade dafür, dass der Standort Gorleben aufgegeben
werden soll. Durch die Veränderungssperre können im Bereich
des geplanten Endlagers alle Veränderungen oder wertsteigernden
Maßnahmen verboten werden, die das Atomprojekt verhindern könnten,
was eigentlich nur auf Bernstorff und das Projekt Salinas zutrifft.
Noch ist die Veränderungssperre nicht rechtskräftig. Sie muss
noch durch den Bundestag und den Bundesrat durch eine besondere Verordnung
bestätigt werden. Das kann aber sehr schnell geschehen. Jedenfalls
wird Graf Bernstorff dann sofort gegen die Lex Salinas klagen, weil
sie viele Experten für verfassungsrechtlich höchst bedenklich
halten. Unsere Chancen stehen also auch in dieser Sache sehr gut
nur benötigen wir einen langen Atem.
Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt noch? Immerhin haben wir
jetzt einen Baustopp und das Moratorium.
Thomas Hauswaldt:
Noch einmal: Die Verhinderung des Endlagers ist nicht unser Unternehmensziel.
Tatsache ist aber, dass beide Vorhaben nicht miteinander vereinbar sind.
Und nach unseren Recherchen und Markterkenntnissen gibt es leider nicht
die geringsten Hinweise, dass unsere Nachbarn ihre Pläne ad acta
gelegt hätten. Wir empfehlen die genaue Lektüre der Konsensvereinbarung.
Wir bleiben wachsam.
Das Interview wurde dem Zero, Heft Sept. 01 entnommen
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