fk Gorleben/Berlin. Als am Wochenende der Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlager-standorte - kurz: AKEnd - zum dritten Workshop in Berlin zusammenkam, waren ihm die Zweifel an seiner Tätigkeit vorausgeeilt. Die Unsicherheit über die Zukunft der Arbeitsergebnisse gab es nicht nur außerhalb des Kreises der 16 beteiligten Wissenschaftler.
Auch in den eigenen Reihen war der Zweifel verbreitet. Trost spendete Staatssekretär Rainer Baake aus dem Bundesumweltministerium: Die Arbeit werde fortgesetzt, die Phase zwei in Angriff genommen. Am Geld werde es nicht scheitern, versicherte er den Tagungsteilnehmern. Tagungsleiter Heinz-Jörg Haury vom GSF-Forschungszentrum in Neuherberg war damit zufrieden. Das auch von ihm zuvor geforderte politische Signal sei das gewesen. Möglichst schon Ostern 2003 sollte seiner Vorstellung nach die geplante Phase zwei der alternativen Standortsuche nach einem Atommüll-Endlager beginnen. So schnell wird es nach Baakes Angaben nicht gehen. Die Bundesregierung behält sich eine Auswertung der AKEnd-Ergebnisse vor. Doch lange vor Jahresende 2003 werde es mit Phase zwei weitergehen. Zwei Jahre lang sollen dann die Ergebnisse des AKEnd gesellschaftlich-politisch diskutiert werden. Am Ende wird ein auch in der Gesellschaft weitgehend akzeptiertes Verfahren zur Endlagersuche erwartet. Eine Alibiveranstaltung, schimpften Gorleben-Gegner bereits vor Monaten in Gartow. Die Inszenierung eines Theaterstücks, unter anderem wegen der ungeklärten Finanzierung der Alternativ-Suche, warf jetzt in Berlin Greenpeace-Sprecher Mathias Edler der Bundesregierung vor. Seine Organisation werde sich daran nicht beteiligen, erklärte er, und verließ das Diskussionspodium.
Die Kritik teilte auch Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg: In der Koalitionsvereinbarung steht lediglich, dass die Bundesregierung versuchen werde, die Verursacher an der Finanzierung der Alternativ-Standorterkundung zu beteiligen. Das fanden die Kritiker zu vage. Die Regierung dürfe sich bei der Finanzierung nicht von den EVUs abhängig machen, meinte Ehmke. Holger Bröskamp vom Energieriesen E.on verwies darauf, dass in der Konsensvereinbarung zum Atomausstieg vom AKEnd keine Rede ist. Für die Stromversorger gebe es diese Einrichtung gar nicht. Dementsprechend dächten sie auch nicht daran, die Folgen einer politischen Entscheidung für eine neue Standortsuche zu finanzieren. Die Energieversorger seien mit Gorleben und Schacht Konrad zufrieden. Doch ganz so brisant, wie die Kritiker meinten, ist das Thema gar nicht. Für den AKEnd-Prozess reicht das Geld, das im Etat der Bundesanstalt für Strahlenschutz (BfS) bereits liege, meinte der stellvertretende BfS-Chef Henning Rösel. Und wenn sich die Notwendigkeit einer neuen Standorterkundung aus wissenschaftlichen Gründen ergibt, sehe die rechtliche Situation auch für die EVUs nicht so gut aus, sich vor den Kosten zu drücken. Für ihn sei es nicht vorstellbar, dass die Verursacher nicht an einer vergleichenden Standortsuche finanziell beteiligt würden, erklärte Staatssekretär Baake. »Schnellstmöglich» müsse Phase zwei des Prozesses eingeleitet werden, forderte Tagungsleiter Haury. Die Politik werde so schnell nicht noch einmal die Bereitschaft von 16 Experten finden, die mehrere Jahre ehrenamtliche Arbeit machten. Die erfolgreiche Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, die früher miteinander nur in Gegenwart eines Anwalts verkehrten, sei nur durch den Beschluss zum Atomausstieg möglich geworden, meinte Haury.