Chronologisch:

Elbe-Jeetzel-Zeitung 26.5.1998

Salinas besichtigte das Erkundungsbergwerk

 

by Gorleben. Es war auch Neugier. Sie wollten einfach mal sehen, wie es bei der Konkurrenz unten aussieht, zumal sie ja bald ein eigenes Bergwerk haben würden: "Salinas" hatte sich für Angehörige und Freunde einen Besichtigungstermin im Erkundungsbergwerk in Gorleben besorgt. Die Firma, die eines Tages Salz aus dem Gorlebener Salzstock fördern will, informierte sich bei der benachbarten Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von End- lagern (DBE), die in eben jenem Salzstock eines Tages Atommüll einlage rn will. Andreas Graf von Bernstorff, dem das Salinas-Grundstück gehört, die beiden Salinas Geschäftsführer Thomas Hauswaldt und Sven Koch wurden bei ihrer Fahrt in 800 Meter Tiefe unter anderem von Rechtsanwalt Rainer Geulen, dem Kieler Geologen Ulrich Schneider, Pastor Eckhard Kruse von der Kirchengemeinde Gartow, dem Hamburgischen Umweltsenator Alexander Porschke sowie von Journalisten begleitet. Auf ein abschließendes Gespräch mit Vertretern von DBE und des Bundesamtes für Strahlenschutz verzichteten die Gäste. Sie waren beeindruckt von der menschlichen und technischen Leistung unter Tage, "den vierspurigen Autobahnen". Doch gleichzeitig sahen sie, so Thomas Hauswaldt, die Gefahr, daß eine solche Leistung auch ein bißchen größenwahnsinnig" machen könne und man dann auch fälschlicherweise glaube, die Atommüllendlagerung auf Jahrtausende in den Griff bekommen zu können. "Man macht da unten nichts Provisorisches", stellte Ulrich, Schneider fest. Die Nichtgeologen waren angesichts der benannten Kosten - von den derzeit kalkulierten 4,6 Milliarden DM für ein Endlager entfielen allein 3,5 Milliarden DM auf das Erkundungsbergwerk - zu der gleichen Schlußfolgerung gekommen. Ansonsten, so resümierten Schneider, Graf von Bernstorff und Kruse, habe es auf Keine Frag e eine klare Antwort gegeben. Schneider war erstaunt zu hören, daß die Endlager-Erkunder dem Deckgebirge - der einst als wichtig angesehenen Barriere - heute keine Bedeutung mehr beimessen würden. Man habe zur Antwort erhalten, daß mit der nächsten Eiszeit das Deckgebirge sowieso weg wäre, berichtete er. Und auch auf Fragen nach den Erkundungskriterien habe man ausweichende Antworten erhalten. Kriterien gebe es nicht, sie würden von Laien nicht verstanden, aber man werde die Sicherheit im Auge behalten, habe es geheißen.

 

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