by Gorleben. Es war auch Neugier. Sie wollten einfach mal sehen,
wie es bei der Konkurrenz unten aussieht, zumal sie ja bald ein eigenes
Bergwerk haben würden: "Salinas" hatte sich für Angehörige
und Freunde einen Besichtigungstermin im Erkundungsbergwerk in Gorleben
besorgt. Die Firma, die eines Tages Salz aus dem Gorlebener Salzstock
fördern will, informierte sich bei der benachbarten Deutschen
Gesellschaft zum Bau und Betrieb von End- lagern (DBE), die in eben
jenem Salzstock eines Tages Atommüll einlage rn will. Andreas
Graf von Bernstorff, dem das Salinas-Grundstück gehört,
die beiden Salinas Geschäftsführer Thomas Hauswaldt und
Sven Koch wurden bei ihrer Fahrt in 800 Meter Tiefe unter anderem
von Rechtsanwalt Rainer Geulen, dem Kieler Geologen Ulrich Schneider,
Pastor Eckhard Kruse von der Kirchengemeinde Gartow, dem Hamburgischen
Umweltsenator Alexander Porschke sowie von Journalisten begleitet.
Auf ein abschließendes Gespräch mit Vertretern von DBE
und des Bundesamtes für Strahlenschutz verzichteten die Gäste.
Sie waren beeindruckt von der menschlichen und technischen Leistung
unter Tage, "den vierspurigen Autobahnen". Doch gleichzeitig sahen
sie, so Thomas Hauswaldt, die Gefahr, daß eine solche Leistung
auch ein bißchen größenwahnsinnig" machen könne
und man dann auch fälschlicherweise glaube, die Atommüllendlagerung
auf Jahrtausende in den Griff bekommen zu können. "Man macht
da unten nichts Provisorisches", stellte Ulrich, Schneider fest. Die
Nichtgeologen waren angesichts der benannten Kosten - von den derzeit
kalkulierten 4,6 Milliarden DM für ein Endlager entfielen allein
3,5 Milliarden DM auf das Erkundungsbergwerk - zu der gleichen Schlußfolgerung
gekommen. Ansonsten, so resümierten Schneider, Graf von Bernstorff
und Kruse, habe es auf Keine Frag e eine klare Antwort gegeben. Schneider
war erstaunt zu hören, daß die Endlager-Erkunder dem Deckgebirge
- der einst als wichtig angesehenen Barriere - heute keine Bedeutung
mehr beimessen würden. Man habe zur Antwort erhalten, daß
mit der nächsten Eiszeit das Deckgebirge sowieso weg wäre,
berichtete er. Und auch auf Fragen nach den Erkundungskriterien habe
man ausweichende Antworten erhalten. Kriterien gebe es nicht, sie
würden von Laien nicht verstanden, aber man werde die Sicherheit
im Auge behalten, habe es geheißen.