"Die Vorbereitungen der Salzgewinnung in Gorleben wollen wir
nicht nur aus unserem Gesellschafterkapital finanzieren, wir wollen
schon jetzt an den Markt." So sagt es der Hamburger Rechtsanwalt
Thomas Hauswaldt, einer der Geschäftsführer der Salinas
Salzgut GmbH, die das Gorlebener Salz nützlicheren Zwecken als
der Atommüllagerung zuführen will.
Wenn die von vielen AKW- GegnerInnen unterstützte und vom Bundesamt
für Strahlenschutz gefürchtete Salinas am morgigen Samstag
gemeinsam mit der taz ihr einjähriges Jubiläum feiert, wird
sich an der Gorlebener Endlagerbaustelle bereits die erste Tochter
der Salzgewinnungsgesellschaft präsentieren. Rechtzeitig zum
Einjährigen ist gestern beim Amtsgericht Dannenberg die "Salinas
Salzkontor Gorleben GmbH" ins Handelsregister eingetragen worden.
Die 850 stillen Gesellschafter der Salinas Salzgut, die für das
Projekt Salzabbau in Gorleben bisher 425.000 Mark aufgebracht haben,
sind damit auch Miteigentümer einer Salz-Vermarktungsgesellschaft.
An ihrer Tochter hält die Salinas Salzgut 51 Prozent, für
49 Prozent haben die Gorlebener Salzschürfer mit der "Inter
Consult" einen Partner gefunden, der seit langem im internationalen
Salzhandel tätig ist.
Auf dem Fest im Gorlebener Wald werden aber auch schon die ersten
Salzprodukte zu erstehen sein, die jetzt unter dem Label Gorleben
in den Handel kommen. "Natürlich ist das Natur-Salz, das
wir jetzt anbieten, noch nicht in Gorleben gewonnen", sagt Salinas-Geschäftsführer
Hauswaldt. Aber wer künftig mit Salinas-Produkten würze,
könne nun auch so einen Beitrag zur Salzgewinnung in Gorleben
leisten und so indirekt dem weiteren Ausbau der Atommüllkippe
etwas entgegensetzen. Aus einer kleinen unabhängigen Saline in
Thüringen werde bis zur Gorlebener Eigenproduktion das Salz stammen.
Wann diese Übergangszeit zu Ende geht, liegt nicht in der Hand
von Salinas, sondern der Genehmigungsbehörden, der dem Umweltministerium
in Hannover unterstehenden Bergämter. Salinas hat die Rohstoffgewinnung
aus dem Gorlebener Salzstock von vornherein zweigleisig geplant. Vom
Besitzer des südwestlichen Teils des Gorlebener Salzstocks, Andreas
Graf Bernstorff, hatte Salinas die Rechte an dem Salz gepachtet, das
unter dem Gelände des samstäglichen Festes liegt. Daneben
hatte Graf Bernstorff selbst bei den Bergbehörden einen Antrag
auf einen Rahmenbetriebsplan für den Salzabbau gestellt. Er will
die Sole rund achthundert Meter weiter südwestlich gewinnen.
Das von Graf Bernstorff beantragte Genehmigungsverfahren hat das
Bergamt Celle inzwischen eingeleitet. Im jetzt laufenden Beteiligungsverfahren
haben die Gebietskörperschaften, aber auch das Bundesamt für
Strahlenschutz die Möglichkeit, Stellungnahmen zu dem Salzabbauplan
abzugeben. Dem eigenen Abbauvorhaben von Salinas allerdings hat das
Oberbergamt Clausthal-Zellerfeld einen dicken Brocken in den Weg gelegt.
Dem Pachtvertrag zwischen Salinas und Graf Bernstorff wurde Anfang
August die bergrechtliche Genehmigung verweigert. Salinas hat dagegen
Widerspruch eingelegt und will notfalls den Klageweg beschreiten.
Der Salzabbau, der mit dem Pachtvertrag in die Wege geleitet werden
sollte, störe zehn vom Bundesamt für Strahlenschutz geplante
Bohrungen, mit dem die Endlagertauglichkeit des Salzstocks erkundet
werden solle, lautete die Begründung gegen den Pachtvertrag,
die auch für Bernstorffs eigenen Salzgewinnungsantrag Schwierigkeiten
erahnen läßt.
Rechtsanwalt Hauswaldt sieht in der Ablehnung des Pachtvertrages
eine Enteignung des Grafen Bernstorff "auf kaltem Wege".
Der Gorlebener Salzbesitzer könne nicht mehr über sein Eigentum
verfügen. Dabei soll eigentlich erst die laufende Änderung
des Atomgesetzes die von Niedersachsen bisher abgelehnte Enteignung
des Grafen möglich machen.