Atomkraftgegner dürfen auf dem Salinas-Gelände eine Schutzhütte bauen - Landkreis formal der Träger

- Die Hütte, mit deren Bau am Sonntag begonnen wurde, darf fertig gestellt werden - und der Landkreis übernimmt die Trägerschaft. Darauf einigten sich Verwaltung und Gorleben-Gegner. Aufn.: R. Groß
rg Gorleben.
Damit hatte wohl niemand gerechnet: Die große Hütte, die Gorleben-Gegner am Sonntag in der Nähe des Erkundungsbergwerkes in Gorleben zu bauen begonnen hatten, darf fertiggebaut worden. Und mehr noch: Sie darf sogar langfristig stehen bleiben - und der Landkreis Lüchow-Dannenberg wird der Träger der dann "offiziellen Schutzhütte". Darauf einigten sich gestern Nachmittag Landrat Jürgen Schulz, Andreas Graf von Bernstorff als Eigentümer des sogenannten Salinas Geländes sowie Vertreter der Salinas GmbH und des Gorleben Widerstandes in einem mehrstündigen Gespräch. Bereits kurz nach der Bekanntgabe dieser Einigung ging der Bau an dem rund 100 Quadratmeter großen Bau im Waldstück zwischen Erkundungsbergwerk und Zwischen lager weiter, beobachtet von starken Polizeikräften.
Man habe vor der Alternative gestanden den Vorschlag des Landkreises anzunehmen eine dauerhafte Hütte zu errichten, oder mehrere, die dann wieder abgerissen worden wären, so ein Sprecher der Bäuerlichen Not gemeinschaft. Die große Mehrheit sei dann dafür gewesen, nur die eine Schutzhütte zu errichten. "Als permanente Lösung und Anlaufpunkt in einem Jahr, dass noch sehr anstrengend für uns werden kann und wohl auch wird." Im Gegenzug zu der Genehmigung die eine Hütte zu errichten, verpflichten sich Gorleben -Gegner und die Salinas keine weiteren zu bauen, die bereits stehenden oder im Bau befindlichen Hütten abzureißen und in dem Waldstück aufzuräumen.
Außerdem werden die Salinas und Graf von Bernstorff die Hütte betreiben und für eventuelle Unterhaltungskosten aufkommen. Eine behördliche Prüfung des Baus werde es nicht geben: Die Hütte soll nach "den Regeln der Zimmermannkunst" fertig gestellt werden, was "quasi eine Statikprüfung ersetzt", so einer der fachkundigen Hüttenbauer.
Die Einigung mit dem Landkreis und die Zusage des Landrates, die Hütte zu übernehmen, sei "ein tolles Zeichen", freut man sich auf Seiten der Gorleben-Gegner. "Das zeigt, dass die Anti-Atomkraft-Bewegung, dass der Gorleben-Widerstand in Lüchow-Dannenberg bis in höchste Stellen verwurzelt ist", freute sich ein Sprecher der Bäuerlichen Notgemeinschaft. Es sei "ein wunderbares Signal, dass der friedliche Widerstand von uns allen getragen wird."
Die Hütte soll, wenn sie fertig ist, Wanderern und Spaziergängern zur Verfügung stehen - als offizielle Schutzhütte. Und sie sei im Falle weiterer Proteste auch "ein Kristallisationspunkt", heißt es aus Kreisen des Gorleben Widerstandes. Das heißt: Sie wird wohl ein Anlaufpunkt, sobald es erneut zu Protesten gegen die Atomanlagen in Gorleben oder Castor-Transporte kommt. Und vielleicht, so spekulieren nicht wenige, werde sie ja auch irgendwann zur Keimzelle eines neuen Hüttendorfes. Das könnte jedoch dann nur gegen den offiziellen Willen der Salinas und des Grafen geschehen. Denn die haben sich - so verlautet es aus dem Kreishaus - vertraglich verpflichtet, keine weiteren Hütten oder andere Bauten zu errichten. Und noch eine weitere Bedingung ist an die Baugenehmigung geknüpft: Es dürfen dort keine Feuerstellen eingerichtet werden. Doch daran habe er als Waldbesitzer auch selbst ein Interesse, so Graf von Bernstorff. Schließlich beginne ja bald wieder die Waldbrandsaison.