Nach Quellen:

EJZ 19.8.96

Startkapital kam leicht zusammen

Salinas will Marktführerschalt im wendländischen Salzgeschäft

fk Trebel. Eine etwas andere Hauptversammlung erlebten am Freitag die "Trebeler Bauernstuben": Das Traditionszentrum des Gorleben-Protestes hatte etwa 200 Leute angezogen. Denen ging es zwar auch um die Gorlebener Atomanlagen, aber außerdem ging es um Geld. Mit einer Mindesteinlage von 500 DM wollten sich 150 Interessierte als Gesellschafter an der "Salinas Salzgut GmbH" beteiligen. Zweck der Gesellschaft ist "Förderung von Vertrieb von Gorlebener Salz". Das zum Start erforderliche Mindestkapital war schon bei Versammlungsbeginn überschritten. Die erwartungsfrohe Runde im Trebeler Dorfgasthaus war augenscheinlich nicht das übliche Publikum eines Wirtschaftsunternehmens. Die meisten Gesichter sind aus der fast zwanzigjährigen Geschichte des Gorleben-Protestes bekannt. Als Ideengeberin für das SalinasProjekt wurde zum Beispiel Alwine Abbass aus Laasche geehrt. Diesem Publikum entsprechend nahm auch die Zusammenkunft einen für Hauptversammlungen unüblichen Verlauf. Zwar befleißigte sich der kommissarische Vorstand der in wirtschaftlichen Rechenschaftsberichten üblichen Ausdrucksweise. Da war zum Beispiel von den "harten Verhandlungen" die Rede, die man mit dem Eigentümer Graf von Bernstor£f geführt und zu einem vernünftigen Abschluß gebracht habe. Aber die Gesellschafter waren eher freudig gestimmt und quittierten solche Äußerungen wiederholt mit Lachsalven. Am Ende standen dann trotzdem einige Tatsachen fest.

Fritz Söffker und Klaus Pohlandt wurden zu kommissarischen Geschäftsführern der Salinas Salzgut GmbH gewählt. Rechtlicher Gründungstermin ist nächste Woche. Und am 14. September steigt die Gründungsfete, vorbereitet von der "Arbeitsgruppe Optik und Opulenz".
Rechtzeitig zur Gründung wird der Graf 60v000 Quadratmeter Land am Trafohäuschen in der Nähe des Zwischenlagers inklusive der Salzrechte bis zum Jahre 2010 an Salinas abtreten.
Der nächste Schritt, so informierte Fritz Söffker aus Lütenthien die Versammlung, sei der Antrag auf Genehmigung des Betriebsplanes beim Bergamt in Celle. Man wisse, so Söffker, daß man mit den eigenen Planungen in den Bereich des Rahmenplans "der Nachbarn" eindringe. Das Bergamt und notfalls die Gerichte werden entscheiden müssen, was Vorrang hat: das grundgesetzlich garantierte Eigentum oder die wissenschaftliche Erkundung "der Nachbarn", im SalinasSprachgebrauch der Ausdruck für das Bundesamt für Strahlenschutz und die DBE. Man werde alles daransetzen, im wendländischen Salzgeschäft die Marktführerschaft zu erringen, versprach der kommissarische Vorstand der jubelnden Gesellschafterversammlung. Eine Bohrfirma für die Erschließungsbohrung stehe bereit. Diese Firma sei selber daran interessiert, den rechtlichen Streit um das Bohrrecht geklärt zu wissen, hieß es vom Vorstandstisch. Die Kosten für diese erste Bohrung wurden auf 100v000 DM beziffert. Der Antrag beim Bergamt soll weitere 20v000 DM kosten. Ein Bergwerk ist für den späteren Salzabbau nicht nötig erfuhren die neuen Gesellschafter. Auch unterirdische Sprengungen sind überflüssig. Das Salz wird per Druckspülung gewonnen. Ein Meter dieser Bohrung soll bis zu 600 DM kosten. Angesichts dieser relativ niedrigen Produktionskosten, verbreitete der Vorstand Optimismus und erinnerte an den, Slogan der Betonindustrie "Gorleben-Salz? Es kommt darauf auf an, was man daraus macht."

 

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