fk Trebel. Eine etwas andere Hauptversammlung erlebten am Freitag
die "Trebeler Bauernstuben": Das Traditionszentrum des Gorleben-Protestes
hatte etwa 200 Leute angezogen. Denen ging es zwar auch um die Gorlebener
Atomanlagen, aber außerdem ging es um Geld. Mit einer Mindesteinlage
von 500 DM wollten sich 150 Interessierte als Gesellschafter an der
"Salinas Salzgut GmbH" beteiligen. Zweck der Gesellschaft
ist "Förderung von Vertrieb von Gorlebener Salz". Das
zum Start erforderliche Mindestkapital war schon bei Versammlungsbeginn
überschritten. Die erwartungsfrohe Runde im Trebeler Dorfgasthaus
war augenscheinlich nicht das übliche Publikum eines Wirtschaftsunternehmens.
Die meisten Gesichter sind aus der fast zwanzigjährigen Geschichte
des Gorleben-Protestes bekannt. Als Ideengeberin für das SalinasProjekt
wurde zum Beispiel Alwine Abbass aus Laasche geehrt. Diesem Publikum
entsprechend nahm auch die Zusammenkunft einen für Hauptversammlungen
unüblichen Verlauf. Zwar befleißigte sich der kommissarische
Vorstand der in wirtschaftlichen Rechenschaftsberichten üblichen
Ausdrucksweise. Da war zum Beispiel von den "harten Verhandlungen"
die Rede, die man mit dem Eigentümer Graf von Bernstor£f
geführt und zu einem vernünftigen Abschluß gebracht
habe. Aber die Gesellschafter waren eher freudig gestimmt und quittierten
solche Äußerungen wiederholt mit Lachsalven. Am Ende standen
dann trotzdem einige Tatsachen fest.
Fritz Söffker und Klaus Pohlandt wurden zu kommissarischen Geschäftsführern
der Salinas Salzgut GmbH gewählt. Rechtlicher Gründungstermin
ist nächste Woche. Und am 14. September steigt die Gründungsfete,
vorbereitet von der "Arbeitsgruppe Optik und Opulenz".
Rechtzeitig zur Gründung wird der Graf 60v000 Quadratmeter Land
am Trafohäuschen in der Nähe des Zwischenlagers inklusive
der Salzrechte bis zum Jahre 2010 an Salinas abtreten.
Der nächste Schritt, so informierte Fritz Söffker aus Lütenthien
die Versammlung, sei der Antrag auf Genehmigung des Betriebsplanes
beim Bergamt in Celle. Man wisse, so Söffker, daß man mit
den eigenen Planungen in den Bereich des Rahmenplans "der Nachbarn"
eindringe. Das Bergamt und notfalls die Gerichte werden entscheiden
müssen, was Vorrang hat: das grundgesetzlich garantierte Eigentum
oder die wissenschaftliche Erkundung "der Nachbarn", im
SalinasSprachgebrauch der Ausdruck für das Bundesamt für
Strahlenschutz und die DBE. Man werde alles daransetzen, im wendländischen
Salzgeschäft die Marktführerschaft zu erringen, versprach
der kommissarische Vorstand der jubelnden Gesellschafterversammlung.
Eine Bohrfirma für die Erschließungsbohrung stehe bereit.
Diese Firma sei selber daran interessiert, den rechtlichen Streit
um das Bohrrecht geklärt zu wissen, hieß es vom Vorstandstisch.
Die Kosten für diese erste Bohrung wurden auf 100v000 DM beziffert.
Der Antrag beim Bergamt soll weitere 20v000 DM kosten. Ein Bergwerk
ist für den späteren Salzabbau nicht nötig erfuhren
die neuen Gesellschafter. Auch unterirdische Sprengungen sind überflüssig.
Das Salz wird per Druckspülung gewonnen. Ein Meter dieser Bohrung
soll bis zu 600 DM kosten. Angesichts dieser relativ niedrigen Produktionskosten,
verbreitete der Vorstand Optimismus und erinnerte an den, Slogan der
Betonindustrie "Gorleben-Salz? Es kommt darauf auf an, was man
daraus macht."